Wir sind eine politisch engagierte Initiative, die sich der Aufklärung über ME/CFS widmet. Unser Ziel ist es, Personen aus Politik, Medizin, Institutionen und Journalismus zu informieren. Darüber hinaus bieten wir Informationen für Betroffene von ME/CFS sowie deren (pflegende und betreuende) Angehörige an, die zum Herunterladen und Ausdrucken zur Verfügung stehen.
Für ME/CFS gibt es keine zugelassenen Medikamente. Es existieren nur zwei spezialisierte ME/CFS-Ambulanzen. Die Münchner Ambulanz betreut Betroffene bis 25 Jahre aus Bayern, während die Ambulanz der Charité lediglich eine einmalige Diagnostik für Erwachsene aus Berlin/Brandenburg anbietet. Aufgrund unzureichender medizinischer und sozialer Versorgung, Bagatellisierung und Stigmatisierung ist Suizid bei ME/CFS die häufigste Todesursache.
Kurzzusammenfassung Die Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen (NDPE) bietet eine historische Chance, die Versorgung und Forschung für Millionen Betroffene zu verbessern. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, braucht es jedoch präzise wissenschaftliche Grundlagen, klare Kohortendefinitionen und eine sichere Abgrenzung klinisch unterschiedlicher Krankheitsbilder. Besonders die Post-Exertionelle Malaise (PEM) als zentrales Phänomen von ME/CFS muss dabei systematisch erfasst werden, um Fehlzuordnungen und verzerrte Forschungsergebnisse zu vermeiden.
Internationale Beispiele wie die US RECOVER-Initiative zeigen deutlich, dass unscharfe Definitionen und heterogene Studienkohorten zu unzuverlässigen Ergebnissen führen und wirksame biologische Erkenntnisse verhindern können. In Deutschland besteht zudem das Risiko, dass ungeeignete oder für ME/CFS schädliche Therapieansätze unterstützt werden, wenn Betroffene mit PEM in Studien oder Versorgungsstrukturen geraten, die nicht auf ihre Erkrankung ausgerichtet sind.
Parallel bleibt die Versorgungssituation für ME/CFS dramatisch unzureichend. Ohne spezialisierte Anlaufstellen und eine klare Verbindung zwischen Forschung und Versorgung können die Ziele der NDPE nicht erreicht werden. Um eine wirksame, evidenzbasierte Weiterentwicklung des Gesundheitssystems sicherzustellen, braucht es daher klare Definitionen, differenzierte Forschungsansätze, spezialisierte Versorgungsstrukturen und eine konsequente Orientierung an der Krankheitslast.